Kein Täter werden- auch nicht im Netz

Das Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité und die Stiftung Hänsel + Gretel starteten   im Juni 2009 ein neues Projekt zur präventiven Behandlung von Kinderpornografienutzern. Das Projekt hat eine Laufzeit von zwei Jahren und richtet sich gezielt an Männer, die den Wunsch verspüren   kinderpornografisches Material zu nutzen oder dies bereits tun.  

Die klinischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse des Instituts haben gezeigt, dass Nutzer von Kinderpornografie häufig eine pädophile Neigung aufweisen. Männern, die für ihren Wunsch, Kinderpornografie zu konsumieren ein Problembewusstsein haben oder darunter leiden, bietet das Institut kostenlos und schweigepflichtgeschätzt eine diagnostische Einordnung ihres Problems und therapeutische Unterstützung an. 

Die neuen Medien (Internet, Tauschbörsen, Mobilfunknetze usw.) und der Anonymität des Internets haben die Nutzung und Verbreitung von kinderpornografischem Material erheblich erleichtert. So können bereits Nutzer mit durchschnittlichen Computerkenntnissen in wenigen Schritten Kinderpornografie finden oder herunterladen. Die Internet Watch Foundation verzeichnet im Jahr 2008 1536 Domains, die dem Tausch und Download von Kinderpornografie dienen. Gut ein Viertel der Darstellungen zeigen dabei Kinder unter sechs Jahren (Internet Watch Foundation 2008). Täglich wird von bis zu 450 000 Zugriffen auf Kinderpornografieseiten im Internet ausgegangen. 

 "Kinderpornografie fügt Kindern erheblichen Schaden zu. Da mit der Herstellung der Bilder der sexuelle Missbrauch von Kindern einhergeht, fördert die Nutzung von Kinderpornografie eine weitere Herstellung und damit sexuellen Kindesmissbrauch. Mit der präventiven Behandlung der Nutzer tragen wir auf diese Weise aktiv zum Kinderschutz bei", sagte Barbara Schäfer-Wiegand, Vorsitzende der Stiftung Hänsel + Gretel. 

Das Programm wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Das "Projekt der Charité ist Prävention im doppelten Sinne", sagte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen in ihrer Videobotschaft. "Zum einen hilft es Männern mit pädophilen Neigungen, die keine Täter   werden wollen. Es bietet zum anderen aber auch Kindern Schutz vor pädophilen Männern, die im Internet auf der Suche nach Kinderpornografie sind." 

Mithilfe einer PR- und Medienkampagne werden betroffene Männer auf das Therapieangebot an der Charité aufmerksam gemacht. Der TV-und Kinospot richtet sich sowohl an Betroffene als auch an deren Angehörige und die breite Öffentlichkeit. Er schärft das   Problembewusstsein, die Hemmschwelle zur Nutzung von Kinderpornografie über das Internet erhöhen und motiviert zur Therapieteilnahme.    

www.kein-taeter-werden.de