Charité startet Präventionsprojekt gegen die Nutzung von Kinderpornografie und bietet Männern therapeutische Hilfe an

Das Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité startet im Juni 2009 ein neues Projekt zur präventiven Behandlung von Kinderpornografienutzern. Das Projekt hat eine Laufzeit von zwei Jahren und richtet sich gezielt an Männer, die den Wunsch verspüren kinderpornografisches Material zu nutzen oder dies bereits tun.

 

Die klinischen und wissenschaftlichen Erkenntnisse des Instituts haben gezeigt, dass Nutzer von Kinderpornografie häufig eine pädophile Neigung aufweisen. Männern, die für ihren Wunsch, Kinderpornografie zu konsumieren ein Problembewusstsein haben oder darunter leiden, bietet das Institut kostenlos und schweigepflichtgeschützt eine diagnostische Einordnung ihres Problems und therapeutische Unterstützung an. „Kinderpornografie ist eine Herausforderung für die Gesellschaft, der wir mit einem präventiven Therapieprogramm und über die Beantwortung gezielter Forschungsfragen begegnen wollen. Um sexuellen Missbrauch von Kindern durch Kinderpornografie zu verringern, machen wir den Konsumenten von Kinderpornografie ein konkretes Hilfsangebot“, sagte Prof. Dr. Dr. Klaus M. Beier, Direktor des Instituts.

 

Die neuen Medien (Internet, Tauschbörsen, Mobilfunknetze usw.) haben die Nutzung und Verbreitung von kinderpornografischem Material erheblich erleichtert. So können bereits Nutzer mit durchschnittlichen Computerkenntnissen in wenigen Schritten Kinderpornografie finden       oder herunterladen. „Kinderpornografie fügt Kindern erheblichen Schaden zu. Da mit der Herstellung der Bilder der sexuelle Missbrauch von Kindern einhergeht, fördert die Nutzung von Kinderpornografie eine weitere Herstellung und damit sexuellen Kindesmissbrauch. Mit der präventiven Behandlung der Nutzer tragen wir auf diese Weise aktiv zum Kinderschutz bei“, sagte Barbara Schäfer-Wiegand, Vorsitzende der Kinderschutzstiftung Hänsel + Gretel, die das Präventionsprojekt der Charité in der Umsetzung unterstützt.

 

Das Programm wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. „Das Projekt der Charité ist Prävention im doppelten Sinne“, sagte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen in ihrer Videobotschaft. „Zum einen hilft es Männern mit pädophilen Neigungen, die keine Täter  werden wollen. Es bietet  zum anderen aber auch Kindern Schutz vor pädophilen Männern, die im Internet auf der Suche nach Kinderpornografie sind.

 

 

 

Mithilfe einer PR- und Medienkampagne sollen betroffene Männer auf das Therapieangebot an der Charité aufmerksam gemacht werden. Der TV-und Kinospot richtet sich sowohl an Betroffene als auch an deren Angehörige und die breite Öffentlichkeit. Er soll das Problembewusstsein schärfen, die Hemmschwelle zur Nutzung von Kinderpornografie über das Internet erhöhen, und zur Therapieteilnahme motivieren.

 

Das Institut verfügt bereits über gute Erfahrung in der Behandlung von Männern mit pädophiler Neigung. Seit 2005 werden hier mit Unterstützung der VolkswagenStiftung und (seit 2008) mit Bundesmitteln im Rahmen des Forschungsprojekts „Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch im Dunkelfeld“ Therapieplätze für Betroffene angeboten. Einbezogen in das Therapieprogramm werden Personen, die bisher nicht übergriffig geworden sind, aber befürchten, sexuelle Übergriffe auf Kinder begehen zu können und Männer, die bereits sexuelle Übergriffe auf Kinder begangen haben, aber ohne Druck der Strafverfolgungsbehörden therapeutische Hilfe suchen. Nach Ausstrahlung des ersten Spots mit dem Claim „Kein Täter werden!“ und der bundesweiten Berichterstattung haben sich bereits über 1.000 Männer in der Charité gemeldet.

 

Die Beiratsmitglieder des Projektes sind:

 

  • Prof. Dr. Hartmut A. G. Bosinski, Leiter der Sektion für Sexualmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
  • Prof. Dr. Detlev Ganten, ehem. Vorstandsvorsitzender der Charité
  • Dr. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin
  • Siegfried Kauder, MdB, Vorstandsmitglied des „Weißen Rings“
  • Barbara Schäfer-Wiegand, Sozialministerin in Baden-Württemberg a. D., Vorsitzende der „Stiftung Hänsel+Gretel“
  • Prof. Dr. Heinz Schöch, Lehrstuhl für Strafrecht LMU München

 

Informationen zu beiden Projekten des Instituts finden sie unter www.kein-taeter-werden.de.

 

Pressekontakt:

Christina Ritzenhoff, Tel. (030) 700 186 749, Fax -710, E-Mail: christina.ritzenhoff@s-f.com